WEITES FELD – DIE ZUKUNFT DER GEGENWART

„Warum macht die Prignitz nicht längst Werbung mit ihrer Leere?
Wo doch gerade alle danach suchen.“

DIE ZEIT, im Frühjahr 2020

 

 

DAS WEITE FELD: die Zukunft der Gegenwart

 

Eine Veranstaltungsreihe zur Kommunikation gesellschaftlichen Wandels

 

von Stefanie Stoltzenberg, Stefan Fulz und Jean Boué unter Trägerschaft von ESTAruppin e.V

 

Das weite Feld gewährt die Freiheit des guten Arguments, um die Herausforderungen der Gegenwart gemeinsam anzugehen. Alte treffen auf Junge, Zugewanderte auf Einheimische. Jeder lernt von jeder. Die Diversität der Gästeliste sorgt für Unterhaltung, ihre Unterschiedlichkeit garantiert einen Diskurs. Eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe, gefördert vom FONDS SOZIOKULTUR im Rahmen des Sonderprogramms NEUSTART KULTUR.

 

Vorbemerkung

Die Maßnahmen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie haben das öffentliche Leben lahmgelegt oder verzweifelt versucht, es in die digitale Welt zu verlagern. Vor allem spürbar ist das in der Urbanität. Gastronomie, Kulturstätten und die gesamte Veranstaltungsbranche befinden sich in einer nie da gewesenen Krise.

Die Leere, mit der DIE ZEIT die Prignitz zu beschreiben sucht, ist vor allem auch in der Kultur Realität geworden. Große Menschenmengen auf engstem Raum, das ist derzeit noch immer Zeit kaum denkbar. Für Veranstaltungen in Bildung, Kunst und Wissenschaft geht es darum, neue Wege zu finden.

So ganz nebenbei stirbt unser Planet. Alarmzustand. Auf der Straße, im Netz und in der Politik wird verhandelt, wie unsere Zukunft aussehen sollte. Schwelende gesellschaftliche Konflikte kristallisieren sich heraus, die Rückkehr des Krieges vor der Haustür lässt uns erstarren und vergessen, worum es eigentlich geht.

Ein nicht unerheblicher Teil der Gesellschaft stellt dabei zur Zustandswahrung die Geltung von wissenschaftlicher Lehre und allgemeiner Fakten in Frage. Eines scheint sicher: Nichts wird so sein wie vorher. Eine erschreckende Erkenntnis, die aber auch Chancen bietet, neue Blickwinkel zu finden und Themen zu entdecken. Besonders für entlegenere Regionen bietet dies Möglichkeiten.

 

Situation

In der Prignitz herrscht keine Leere. Kultur und Wildnis kommen sich hier recht nah, aber nicht zu nah. Seit dem Mauerfall suchen Kunst- und Kulturschaffende in der Stille der weiten Landschaft ihre Inspiration. Sie finden hier eine andere Art von Kultur, die leiser, intensiver und unmittelbarer funktioniert. In der Fläche, im Kleinen, liegt tiefes Potential, das es zu erschließen gilt.

Nach Jahrzehnten anhaltender Landflucht wächst in der Zeit der Pandemie die Sehnsucht nach ländlichem Leben. Bereits seit ein paar Jahren nimmt die ländliche Bevölkerung langsam, aber stetig zu. Ein Grund mehr für diese Initiative.

 

Idee

Das weite Feld versteht die Maßnahmen der Einschränkung von Kultur- und Bildungsveranstaltungen als Inspiration, um ein neues, zukunftsweisendes Format für postpandemische Zeiten zu entwickeln und umzusetzen. In der Prignitz gibt sie noch, die Möglichkeit, andere Pfade gesellschaftlicher Entwicklung zu betreten. Welchen Beitrag leisten Kunst und Wissenschaft, Politik und Wirtschaft in dieser Umgebung für die Herausforderungen unserer Zeit? Diese Frage legen wir in dem Format zu Grunde und interpretieren es dialogisch.

 

Format

Das weite Feld thematisiert die großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart. Es entsteht eine Gedankenwerkstatt, die in der gegenwärtigen Krise nach zukunftsfähigen und enkelgerechten Antworten sucht. In einer zweijährigen Projektlaufzeit werden acht Veranstaltungen zu wegweisenden Fragestellungen durchgeführt.

Experten*innen auf ihren Gebieten sind eingeladen, sich mit einem interessierten Publikum an zwei aufeinander folgenden Tagen über ihre Thesen auseinanderzusetzen. Sie treffen auf Menschen, die ihre eigene Perspektive auf das jeweilige Thema haben, den gegenwärtigen gesellschaftlichen Alltag reflektieren und in ihren unterschiedlichen Haltungen vielfältig sind.

Alle geladenen Vorträge werden eigens für das Projekt von den Künstler*innen und Wissenschaftler*innen in enger Zusammenarbeit mit dem Kuratorium entwickelt. Wie sie ihre Thesen darbieten bleibt ihnen selbst überlassen.

 

Inhalt

In so genannten Lecture Performances fragen wir, wie sich urbane Utopien mit ruralen Realitäten vertragen. Wir sprechen über Strukturwandel, über Naturschutz, über Energiewende, über Mobilität, über Agrarwirtschaft. Wir thematisieren, ob wir immer so weiter wachsen können, reden über neue Lebensformen, darüber, wer eigentlich den Klimawandel angezettelt hat und finden heraus welche Tiere es schon bald nicht mehr gibt.

Die Performer gehen an die Grenzen – spannend, unterhaltsam, kontrovers. Alles wird auseinandergenommen, spielerisch, von Wissenschaftler*innen, Schriftsteller*innen, Forscher*innen, von Künstler*innen und Provokateur*innen.

Durch die Förderung im Rahmen von NEUSTART KULTUR können wir in 2022 zwei Veranstaltungen realisieren. Folgende Themen wurden von uns ausgewählt, da sie regionale Gestaltungsmöglichkeiten bieten:

  • Per Anhalter durch die Prignitz
    Über die ökologischen und sozialen Fragen von der Mobilität und ihrer infrastrukturellen Voraussetzungen auf dem Land.
  • Jetzt haben wir den Salat
    Der Umgang mit unseren natürlichen Lebensvoraussetzungen in der Prignitz zwischen High Tech-Verwertung und bäuerlicher Idylle.

 

Wirkung

Das weite Feld wagt Kontoversen von gesellschaftlicher Relevanz und wirft einen Fokus auf eine Region im Dornröschenschlaf. Die Austragungsregion Prignitz, der „leere Raum“, schafft anders als in bevölkerungsreichen Gegenden eine Freiheit, in der die Gedanken auf besondere Art fließen. Auf diese Weise wird ein ganz neuer Ansatz befördert, auf leichte, fast spielerische Art ernsthafte Themen zu durchdringen.

Das weite Feld wird als Beispiel für eine Kultur des Dialogs in der gegenwärtigen ökologischen Krise dienen. Dies gewährleisten wir durch die Einladung ausgewählter streitbarer und kluger Köpfe. Ihre Auftritte wirken durch ein Follow Up des Kuratoriums nachhaltig.

Das weite Feld sucht Zugang zur Zukunft in der Gegenwart. Jede Veranstaltung bietet den Teilnehmern ein bereicherndes geistig-ästhetisches Erlebnis zu bekannten Themen, die man so aber noch nicht betrachtet hat. Je nach Spielort unter Berücksichtigung von Distanzregeln rechnen wir mit 20-30 Menschen. Mit einer digitalen Präsentation werden die Performances einem größeren Kreis zugänglich gemacht.

 

„Per Anhalter durch die Prignitz“

 

Eine Gedankenwerkstatt zur Fortbewegung auf dem Land

am 9.und 10. September 2022

Wie sieht die Mobilität von morgen aus?

Wie bewegen wir uns zukünftig im ländlichen Raum?

Mit diesen Fragen werden wir uns an diesen Tagen beschäftigen. Wir müssen Lösungen finden! Gerade mit dem Klimawandel steht die Regionalentwicklung vor großen Herausforderungen. Die Stilllegung von Bahnstrecken – wie die der Zugstrecke Kyritz–Pritzwalk–Meyenburg im Entwurf des Nahverkehrsplans des Landes Brandenburg – kann kaum die Antwort darauf sein.

Wie bringen wir das Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur wieder ins Gleichgewicht, ohne unsere eigene Beweglichkeit aufzugeben?

Gemeinsam mit geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, aus Kunst und Zivilgesellschaft verknüpfen wir scheinbar unvereinbare Positionen. Leisten Sie mit uns einen Beitrag dafür, dass wir die Herausforderung ernst nehmen und zusammen für die Region ins Handeln kommen.

 

Der Spielplan 

Eine Gedankenwerkstatt zur Fortbewegung auf dem Land am 9./10. September 2022

Freitag, 9. 9.:

13:00   ankommen

14:00   Akt 1: gehen und innehalten

15:30   sich erfrischen

16:00   Akt 2: das Land betrachten

Impulse und Diskussionen u.a. mit

Minister Vogel, Prof. Dr. Thomas Götze und

Christian Müller (designierter Landrat)

19:00   zu Abend essen und Ausklang

Samstag, 10. 9.:

09:00   andächtig zuhören und frühstücken

10:00   Akt 3: in der Prignitz leben

streiten, sprechen, diskutieren

12:30   zu Mittag essen

14:00   Résumé und Abschied nehmen

14:00   Ende

 

Spielorte

Das weite Feld findet Platz an vielfältigen Orten der Prignitz. Die erste Veranstaltung wird im Gutshaus Streckenthin stattfinden. Das Gutshaus verfügt über weite Räume, einem Theatersaal, einer Gutskapelle, einer großen Küche und Außenfreiflächen und ist prädestiniert als Austragungsort. Für die weiteren Veranstaltungen führen wir gerade Gespräche, unter anderem mit der Museumsfabrik Pritzwalk.

 

Träger

ESTAruppin e.V. ist ein diakonischer Verein, der seit über 20 Jahren mit zahlreichen Projekten Bildung für Nachhaltige Entwicklung, soziale Fragen und kulturelle Angebote realisiert. Über 80 Mitarbeitende, zahlreiche Ehrenamtliche und eine professionelle Verwaltung gewährleisten Qualität und Wirkung.

 

Kuratorium

Stefanie Stoltzenberg, Juristin, ehemalige Politikerin, professionelle Gastgeberin und Neu-Prignitzerin. Mit Ihrer Hamburger Firma „Strasburger Kreise“ vernetzt sie seit Jahren wirtschaftlich, politisch, kulturell und karitativ engagierte Menschen miteinander. Ihre Firma „Streckenthiner Kreise“ ist nun auch in der Prignitz aktiv.

Stefan Fulz, Philosoph, Netzwerker in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit und langjähriger Projektleiter des Diakonischen Vereins ESTAruppin e.V. Er setzt sich in der Prignitz mit entwicklungspolitischen Aspekten unserer Gesellschaft auseinander und fragt sich schon länger, warum im ländlichen Raum diese so wenig zusammen mit der Regionalentwicklung gedacht werden.

Jean Boué, Autor, Regisseur und Produzent von Dokumentarfilmen. Seit 14 Jahren lebt und arbeitet er in der Prignitz., vor allem in kulturellen Fragen engagiert er sich, u.a. im Vorstand der Kunstfreunde Pritzwalk e.V. „Die Unerhörten“, ein Dokumentarfilm über den Wahlkampf in der Prignitz, wurde 2020 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.